Projekte

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Prof. Dr. Nikola Roßbach

28.10.2023–4.2.2024
Ausstellung „Verbotene Bücher“ des Literaturhauses München (wissenschaftliche Begleitung gemeinsam mit Florian Gassner)
Ob autokratische Herrscher, totalitäre Regime oder verbohrte Bürokraten, ob besorgte Eltern, strenge Richter oder Hüter des wahren Glaubens – seit es Bücher gibt, wird erbittert um den Gegensatz zwischen Kunstfreiheit und strikten moralischen, politischen oder religiösen Vorstellungen gerungen: Eine Ausstellung mit Geschichten aus und über berühmte Bücher, die verboten wurden.
Bücherverbote bedeuten Macht und Kontrolle. Kontrolle über politisch Unliebsame, über Frauen, über sozial Benachteiligte, über Menschen, die als nicht dazugehörig angesehen werden. Menschen von Bildung fernzuhalten, heißt, sie daran zu hindern, frei zu denken und sich selbst zu ermächtigen. Zensur gab es seit Erfindung des Buchdrucks und erreicht in der Gegenwart in vielen Regionen der Welt neue Dimensionen. Die Freiheit des Wortes muss auch in Demokratien geschützt und verteidigt werden, deren Wert immer neu beleuchtet werden.
Die aktuelle Debatte zeigt, wie existentiell die Frage empfunden wird. Vom Index librorum prohibitorum der römischen Inquisition über die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten bis zum Mordanschlag auf Salman Rushdie, Autor von „Die satanischen Verse“, den er nur knapp überlebt hat: Die Ausstellung lotet den Unterschied aus zwischen Verbot und Sensibilisierung in sich verändernden Gesellschaften.

2022–2024
Zensur. Handbuch für Wissenschaft und Studium
Zensur ist hochaktuell. Sie scheint gegenwärtig – im Kontext globaler Krisen, erodierender Demokratien und erstarkender Autokratien und Diktaturen – sogar noch an Aktualität zu gewinnen. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme zum Phänomen und seiner Erforschung ist dringend geboten. Das geplante Handbuch, das von mir konzipiert und herausgegeben wird, wird 2024 beim Nomos Verlag erscheinen. Es präsentiert erstmals den Stand der Zensurforschung aus einer interdisziplinären, transhistorischen und globalen Perspektive. Nach begrifflich-theoretischen Grundlagen werden zentrale Akteure und Handlungsfelder der Zensur behandelt: Politik, Religion, Wirtschaft, Kunst, Medien und Recht. Es folgt ein Überblick über die Zensurgeschichte von der Antike bis zum 21. Jahrhundert. In Beiträgen zu verschiedenen Weltregionen (Afrika, Asien, Australien, Nord-, Mittel- und Südamerika, West- und Osteuropa) werden die globalen Dimensionen von Zensur entfaltet. Abschließend geht es um aktuelle Kontroversen und Polemiken der Zensur, um Zensurnarrative und -debatten (z.B. über ‚Cancel Culture‘ und ‚Identitätspolitik‘).

2020–2023
Gotthelf Wilhelm Christoph Starke – Entdeckung eines großen Unbekannten
Gotthelf Wilhelm Christoph Starke (1762–1830), Dichter und Theologe aus Anhalt-Bernburg, galt zu seiner Zeit als Klassiker. Seine Gemählde aus dem häuslichen Leben und Erzählungen machten ihn weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinweg bekannt. Dennoch geriet er als Spätaufklärer und Moralist bald in den Schatten der Literaturgeschichte – in deren Lichtkegel andere, wenige Auserwählte standen und stehen. Als Zeitgenosse Goethes, Schillers und Kants stellt Starke ein bemerkenswertes Phänomen vergessener Größe dar. Ihn wiederzuentdecken ist das vorliegende Projekt angetreten, aus dem zwei Buchpublikationen (ersch. Juli 2023) entstanden sind: eine über 500 Seiten umfassende Monografie – Gotthelf Wilhelm Christoph Starke (1762–1830). Entdeckung eines großen Unbekannten – sowie eine Anthologie mit Starkes Werken (Gotthelf Wilhelm Christoph Starke: Gemälde und andere Texte). Im Spätsommer 2023 wird eine Lesereise durch Anhalt das Projekt bekannter machen. Gefördert wurde es von der Stiftung Evangelisches Anhalt, der Evangelischen Landeskirche Anhalts sowie dem Familienverband von Kügelgen.

2020ff.
Literatur aus Kassel für Kassel: Online-Lesungen
Zum 13.10.2020 ging ein von mir initiiertes (‚Corona‘-)Lesungsprojekt online: Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Kassel. Über 40 Lesungen bzw. 13 Stunden Lesezeit, präsentiert von 24 Leser*innen, entfalten das breite Spektrum der Kasseler Literatur aus dem 16. bis 21. Jahrhundert: Erzählungen, autobiografische Texte, Gedichte, Briefe, Traktate, Essays, Romanausschnitte, Reiseberichte etc. Die Lesungen sind kostenlos per Streaming und Download zugänglich.

2019ff.
Die Kasseler Liste – A Database of Censored Books
(mit Prof. Dr. Florian Gassner)
Die Kasseler Liste ist ein interaktives Online-Tool, das auf der Basis der Projektarbeit für das Kunstwerk „The Parthenon of Books“ von Marta Minujín (documenta 14) entstanden ist. Die weltweit größte Datenbank verbotener Bücher umfasst bislang ca. 125 000 Items; sie integriert verschiedene historische Indizes, Forschungsdatenbanken zur Zensur sowie Ergebnisse von Einzelrecherchen.
Buchverbote existieren auf allen Kontinenten, je nach politischem System und Gesellschaftsform in unterschiedlichem Maß und auf unterschiedlichen Ebenen. Die „Kasseler Liste“ macht den ersten, experimentellen Versuch, Zensur global zu kartieren und damit die Zensurforschung auf eine neue Basis zu stellen.
lange Liste der verbotenen Bücher (lange Ladezeit)
Kurzliste besonders bekannter, v.a. deutschsprachiger Titel verbotener Bücher
– Vorstellung des Projekts auf der Uniseite
– Information auf der documenta-Website: Buchspende-Aufruf
– „buchgeflüster„-Sendung des Offenen Kanals Kassel, realisiert von Alexandra Serjogin und Sophia-Neitzel. Die Sendung stellt die wissenschaftliche Arbeit am Parthenon of Books in den Fokus
– Podiumsdiskussion „fREADom“ des literarischen zentrums Göttingen mit Murad Erdemir, Sascha Feuchert, Nikola Roßbach und Frank Schäfer (8.6.2017)
– Podiumsdiskussion „Marta Minujíns Parthenon of books. Zensur und kein Ende“ auf der Frankfurter Buchmesse mit Tim Hermann, Katharina Kirchberg, Philippe Lorenz und Sophia Neitzel (14.10.2017)
Medienschau (nur zur wissenschaftlichen Begleitung des Kunstprojekts): HNA (6.10.2016); Süddeutsche  Zeitung (14.11.2016); HNA (12.12.2016); Deutschlandfund (20.12.2016), Youtube-Video zur Validierungsarbeit der Studierenden, Universität Kassel (16.3.2017), Schweizer Tagesanzeiger (17.4.2017), publik, Universität Kassel (Juni 2017), Süddeutsche Zeitung: Die Kasseler Liste (11.6.2017), Neue Osnabrücker Zeitung (15.6.2017), WDR 3 Mosaik (20.6.2017), Börsenblatt (15.10.2017)

2018
Lesungsreihe zum Kleinen Kasseler Literatur-Lexikon
Projekt mit Studierenden
Kassel, Mai/Juni 2018, Dienstags, 18.15 Uhr: 
Da ist Musik drin! Musikschriftsteller im KKLL (Spohr Museum, 22.5.2018)
„Schweifender Blick über die Lagermauer“. Verfolgte Autorinnen und Autoren im KKLL (Gedenkstätte Breitenau, 29.5.2018)
Am Anfang war das Wort. Theologinnen und Theologen im KKLL (Evangelisches Forum am Lutherplatz, 5.6.2018)
„Wegbereiter der deutschen Frau“… Schriftstellerinnen im KKLL (Archiv der deutschen Frauenbewegung, 12.6.2018)
Es war einmal … Dichterinnen und Dichter der Grimm-Zeit im KKLL (GrimmWelt, 19.6.2018)
„Staub der Fulle“. Gegenwartsautorinnen und -autoren im KKLL (Stadtbibliothek, 26.6.2018)

2016/17
documenta-Projekt „The Parthenon of Books“ von Marta Minujín (Leitung der kooperierenden studentischen Arbeitsgruppe, gemeinsam mit Prof. Dr. Florian Gassner)
Bei der documenta 14 entstand auf dem Friedrichsplatz in Kassel ein riesiger Tempel verbotener Bücher entstehen: ein Kunstwerk der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, an dem jede_r durch Buchspenden mitbauen konnte. Die von Florian Gassner, mir und einer Projektgruppe geleistete wissenschaftliche Begleitung des Projekts bestand u.a. in der wissenschaftlich gestützten Erstellung von Listen verbotener Bücher sowie der Validierung und Vakumierung der eingesandten Bücher.

2015–2017
Kleines Kasseler Literatur-Lexikon. Autorinnen und Autoren. Ein Projekt zur Erschließung und Bewahrung hessischer Literatur-, Kultur- und Geistes-geschichte (Projektleitung)
Das Kasseler Literatur-Lexikon präsentiert Kassel als Literaturstadt bzw. zeigt literarische Leistungen Kassels der vergangenen Jahrhunderte. Es umfasst über 450 Personenartikel weltberühmter und unbekannter Autor_innen. Literatur und Kultur einer Region zeugen von ihrer Interaktionsdichte und -vielfalt. Die Stadt Kassel erweist sich als Ausgangs- oder Zielpunkt, Zwischenstation oder Höhepunkt vielfältiger literarischer und kultureller Manifestationen vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Entscheidend für Kassels Bedeutung als Literaturstadt ist dabei die kontinuierlich zu beobachtende intensive Verflechtung lokal-regionaler mit überregional-allgemeinen Dimensionen der Literatur-, Kultur- und Geistesgeschichte. Ca. 100 Beiträger:innen aus verschiedenen akademischen Disziplinen (Philologien, Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theologie, Jura, Philosophie, Biologie, Soziologie, Bildungsgeschichte) sind beteiligt, außerdem weitere Experten aus Museum, Stadt, Kirche, Schulen, Akademien, Archiven, Literaturbüro etc. Das Lexikon ist im Januar 2018 beim Wehrhahn Verlag, Hannover, erschienen.
Das Projekt wurde durch die Stadt Kassel, die Universitätsgesellschaft Kassel, den Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde 1834 e.V., Zweigverein Kassel, und den Lions Club Kassel gefördert.
Presse: Meldung Uni Kassel, epd, 17.1.2018,  HNA, 5.2.2018, Kulturcafé hr2, 26.2.2018 , Buchgeflüster Offener Kanal Kassel, 5.6.2018

2014ff.
Italien-Netzwerk (Mitgründung, seit 2016 Sprecherin des Netzwerks mit Prof. Dr. Angela Schrott)
http://www.uni-kassel.de/themen/netzwerk-italien/startseite.html
2014 gründete sich an der Universität Kassel ein Netzwerk von Forschenden und Lehrenden aus den Disziplinen Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte, germanistische und romanistische Literaturwissenschaft. Nachdem die Kasseler Italianistik vor mehr als fünf Jahren ausgelaufen war, vermissten nicht nur Romanist:innen die wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprache, Kultur, Philosophie, Kunst und Literatur des südlichen Nachbarlandes.
Zur Aufgabe des Netzwerks gehören die Konzeption und Ausrichtung eines jährlichen Italientages sowie die Einführung und Organisation eines Zertifikats für interdisziplinäre Italienkompetenz: Das Italicum startete zum WiSe 2016/17 sehr erfolgreich und wird inzwischen vom italienischen Außenministerium gefördert.

2011–2015
Literatur in Kassel – mehr als nur GRIMMig. Lehrprojekt (Projektleitung)
Zum Jubiläum 1100 Jahre Kassel‘ (2013) stellte das Projekt Kasseler Schriftstellerinnen und Schriftsteller des 18.-20. Jahrhunderts vor: Es ging um 45 literarische Wieder- und Neuentdeckungen. Der Beitrag der Stadt Kassel zur literarischen Kunst und Kultur wurde in ihr selbst sichtbar und hörbar gemacht. Sichtbar, indem Literatur in die Stadt „eingeschrieben“ wurde: Jeweils ein Auszug aus jedem literarischen Werk ist auf 45 Schildern in der ganzen Stadt (bis heute) zu lesen. Hörbar, indem literarische Stimmen in der Stadt erklungen sind – bei einem dreistündigen Lesemarathon (Juni 2013). Am 25.6.2015 wurden die letzten beiden Schilder gegenüber der Kasseler GRIMMWELT eingeweiht.
Das Projekt wurde begleitet und gefördert von der Stadt Kassel, der Universitätsgesellschaft Kassel, der Sparkasse Kassel und dem Stadtteilbüro Wesertor.

2011–2016
Dynamiken von Raum und Geschlecht: entdecken – erobern – erfinden – erzählen. DFG-Graduiertenkolleg (Projektleitung)
Im Mittelpunkt des Graduiertenkollegs stand die interdisziplinäre Erforschung der wechselseitigen Prägung von Raum und Geschlecht. Damit griff das Kolleg zwei der wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte auf und stellte sie in einen Zusammenhang: Die Veränderung der Geschlechterordnung zum einen und die Veränderung der Raumordnung, die gerne unter dem Schlagwort Globalisierung betrachtet wird, zum anderen. Ausgangspunkt war der Befund, dass viele neuere Forschungen zum Raum die Kategorie Geschlecht desto weniger berücksichtigen, je globaler die Ebene der Betrachtung ist. Darum verfolgte das interdisziplinäre Graduiertenkolleg das Ziel, die wechselseitigen Bezüge von Raum- und Geschlechterkonstitutionen in aktuellen und historischen Gesellschaften inner- und außerhalb Europas aus soziologischer, ethnologischer, historischer und Literaturwissenschaftlicher Perspektive zu untersuchen. Beteiligt waren Anglistik/Kanadistik, Arabistik/Islamwissenschaft, Ethnologie, Ethik und Geschichte der Medizin, Geschichte, Germanistik, Soziologie und Theologie.

2009–2012
Welt und Wissen auf der Bühne. Die Theatrum-Literatur der Frühen Neuzeit. DFG-Forschungsprojekt (Projektleitung)
Das (Welt-)Theater ist als Schlüsselmetapher der Frühen Neuzeit geläufig. Doch auch die Bücher der Epoche wurden häufig als Theater betrachtet. Diese textuellen Bühnen bildeten ein gewichtiges publizistisches Phänomen: Zwischen 1500 und 1800 erschienen in Europa und mit dem Schwerpunkt im Alten Reich hunderte Werke, auf deren Titel das metaphorische Theatrum oder volkssprachliche Äquivalente prangten (Schaubühne, Schauplatz etc.). Ein Großteil der Buchtheater verschrieb sich der Sammlung und Repräsentation von Wissen; es bildet damit ein Segment der weiten enzyklopädischen Literatur der Frühen Neuzeit.
Digitalisierungsvorhaben im Internet stellen meist nur das Textmaterial unkommentiert zur Verfügung. Die dauerhafte Konservierung der kulturellen Überlieferung im Rahmen von Massendigitalisierungsprojekten zeigt sich von der wissenschaftlichen Erschließung weitgehend entkoppelt. Unser Projekt ging durch die Kooperation von Bibliothek und Universität darüber hinaus. Es koppelte klassische Elemente eines Repertoriums – Verzeichnung und kommentierte Beschreibung eines Textkorpus – mit einer umfassenden Datenbank. Durch die Vernetzung von digitalisiertem Quellenmaterial und Forschungsergebnissen wird der digitale Mehrwert des Hypertextes genutzt und sichtbar gemacht.