28.10.2023–4.2.2024 Ausstellung „Verbotene Bücher“ des Literaturhauses München (wissenschaftliche Begleitung gemeinsam mit Florian Gassner) Ob autokratische Herrscher, totalitäre Regime oder verbohrte Bürokraten, ob besorgte Eltern, strenge Richter oder Hüter des wahren Glaubens – seit es Bücher gibt, wird erbittert um den Gegensatz zwischen Kunstfreiheit und strikten moralischen, politischen oder religiösen Vorstellungen gerungen: Eine Ausstellung mit Geschichten aus und über berühmte Bücher, die verboten wurden. Bücherverbote bedeuten Macht und Kontrolle. Kontrolle über politisch Unliebsame, über Frauen, über sozial Benachteiligte, über Menschen, die als nicht dazugehörig angesehen werden. Menschen von Bildung fernzuhalten, heißt, sie daran zu hindern, frei zu denken und sich selbst zu ermächtigen. Zensur gab es seit Erfindung des Buchdrucks und erreicht in der Gegenwart in vielen Regionen der Welt neue Dimensionen. Die Freiheit des Wortes muss auch in Demokratien geschützt und verteidigt werden, deren Wert immer neu beleuchtet werden. Die aktuelle Debatte zeigt, wie existentiell die Frage empfunden wird. Vom Index librorum prohibitorum der römischen Inquisition über die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten bis zum Mordanschlag auf Salman Rushdie, Autor von „Die satanischen Verse“, den er nur knapp überlebt hat: Die Ausstellung lotet den Unterschied aus zwischen Verbot und Sensibilisierung in sich verändernden Gesellschaften.
Okt. 2023-Mai 2024 „Die literarische Aufklärung und ihre Medien“: Ein bilinguales digital gestütztes Lehrangebot für Germanistikstudierende in der Ukraine Das Lehrangebot im SS 2024 zielt auf eine stärkere Vernetzung mit der ukrainischen Germanistik und ergänzt das durch die aktuelle Kriegssituation eingeschränkte Lehrangebot. Es ermöglicht Studierenden vor Ort, studienbiografische Verzögerungen und Brüche zu kompensieren. Ziel ist der Erwerb zentraler fachwissenschaftlicher Kompetenzen in Literatur- und Medienwissenschaft, insbesondere in Begriffs- und Theoriebildung, Literatur als Kultur- und Medienwissenschaft, Aufklärungsforschung sowie Geschlechterforschung/Gender Studies. Die digital gestützte zweisprachige Doppelveranstaltung (deutschsprachige Vorlesung, ukrainischsprachiges Seminar) bietet einen literatur- und mediengeschichtlichen Überblick über die Wissensvermittlung im 18. Jahrhundert. Im Fokus steht der aufklärerische Wandel von gelehrter Exklusivität zu popularisierten Wissensformen für unterschiedliche Zielgruppen (u.a. Frauen, Kinder). Behandelt werden zentrale Medien wie Zeitschriften, Lehrdichtungen, Enzyklopädien und Lexika, einschließlich frauenspezifischer Formate. Die Vorlesung vermittelt die übergreifenden Strukturen und Denkmodelle der Epoche, das Seminar vertieft die Inhalte anhand ausgewählter Textquellen. (Förderung durch HMWK-Brückenprogramm Hessen–Ukraine 2023)
13.-15.7.2023 Tagung „der markt hätte es gerne, wenn wir nur ‚exilautoren‘ wären. Multidimensionale Konstruktionsprozesse von Autorschaft im aktuellen Kontext von Exil, Migration und Flucht“ (Leitung gemeinsam mit Christine-Marie Ansari, Stefan Greif, Turgay Kurultay, Ev. Tagungsstätte Hofgeismar) Die Tagung untersucht multidimensionale Konstruktionsprozesse von Autorschaft in der aktuellen Exilliteratur. Im Fokus steht ein breites Spektrum der „neuen deutschen Literatur“ im Kontext von Migration und Flucht. Berücksichtigt werden Diversität der Autor:innen (Herkunft, Geschlecht, soziale und kulturelle Identität) sowie Vielfalt der Texte (Genres, Medien, Sprachstile, Themen). Im Zentrum steht deutschsprachige bzw. ins Deutsche übersetzte Literatur seit 2015 von im Exil lebenden Schriftsteller:innen. Begriffe wie Exilautor:in oder Migrations- und Fluchtliteratur werden kritisch hinterfragt – als Selbst- und Fremdzuschreibungen, Labels oder Klischees. Autorschaft erweist sich dabei als Konstruktion verschiedener Akteur:innen aus politischen, gesellschaftlichen, ästhetischen und ökonomischen Interessen. Zugleich wird gefragt, ob Exil, Migration und Flucht zu einem neuen globalen Diskurs und veränderten Identitätsverständnis beitragen. Eröffnet die deutsche Literatur einen Raum, in dem Begriffe wie Heimat und Fremde neu gedacht und hybride, vernetzte Modelle gestärkt werden? Trotz aller Betonung kreativer Potenziale bleibt Exil jedoch meist ein erzwungener, fremdbestimmter Zustand. Die Tagung vereint Wissenschaft, Kultur und Kunst, um diese Entwicklungen zu diskutieren. Der Literatur kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Sie schärft den Blick für Identität und Diversität, erweitert Perspektiven auf eine globale Zukunft und entwirft Konzepte einer postmigrantischen Gesellschaft.
2022–2024 Zensur. Handbuch für Wissenschaft und Studium Zensur ist hochaktuell. Sie scheint gegenwärtig – im Kontext globaler Krisen, erodierender Demokratien und erstarkender Autokratien und Diktaturen – sogar noch an Aktualität zu gewinnen. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme zum Phänomen und seiner Erforschung ist dringend geboten. Das geplante Handbuch, das von mir konzipiert und herausgegeben wurde, erschien 2024 beim Nomos Verlag. Es präsentiert erstmals den Stand der Zensurforschung aus einer interdisziplinären, transhistorischen und globalen Perspektive. Nach begrifflich-theoretischen Grundlagen werden zentrale Akteure und Handlungsfelder der Zensur behandelt: Politik, Religion, Wirtschaft, Kunst, Medien und Recht. Es folgt ein Überblick über die Zensurgeschichte von der Antike bis zum 21. Jahrhundert. In Beiträgen zu verschiedenen Weltregionen (Afrika, Asien, Australien, Nord-, Mittel- und Südamerika, West- und Osteuropa) werden die globalen Dimensionen von Zensur entfaltet. Abschließend geht es um aktuelle Kontroversen und Polemiken der Zensur, um Zensurnarrative und -debatten (z.B. über ‚Cancel Culture‘ und ‚Identitätspolitik‘).
11.–14.10.2021 Tagung „Wiederholung und Variation. Repetitive Muster in Gesprächen der Frühen Neuzeit“ (Leitung gemeinsam mit Angela Schrott, Ev. Tagungsstätte Hofgeismar) Die Wiederholung ist ein basales kulturelles Tun, das in allen Bereichen des menschlichen Lebens und Handelns vorkommt, so auch in der Kommunikation. Die interdisziplinäre Tagung fragt nach der Kreativität repetitiver Gesprächsmuster in der Frühen Neuzeit. Expert:innen aus Geschichts-, Sprach- und Literaturwissenschaft untersuchen an verschiedenen Textzeugnissen aus Mittelalter und Früher Neuzeit in deutscher, spanischer, französischer und englischer Sprache und Literatur die Spannung zwischen der scheinbaren Identität der Wiederholung und ihrem Potenzial, kreativ Differenzen zu erzeugen. Erkundet werden dabei die fundamentalen sprachlichen und kulturellen Funktionszusammenhänge dieses Wechselverhältnisses von Wiederholung und Variation: Sind repetitive Gesprächsmuster gemeinschaftsstiftend oder schärfen sie Gegensätze? Ist die Wiederholung ein orientierendes Kompositionsprinzip oder wirkt sie qua Variation destabilisierend auf Redekonstellationen? Steht sie für Kontinuität und Festigung sprachlicher Ausdrucksformen oder für die Möglichkeit kreativer Erneuerung? Tagungsband: Wiederholung und Variation im Gespräch des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Hrsg. mit Angela Schrott. Berlin, New York: de Gruyter 2023.
10.-11.9.2021 Tagung „Eins und doppelt: literarische Kooperationen. Kolloquium zu Ehren des 100. Geburtstages von Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner – und im Rahmen des 50. Geburtstages der Universität Kassel“ (Leitung gemeinsam mit Friedrich Block, Stiftung Brückner-Kühner, Kassel) 2021 feiert Kassel den 100. Geburtstag des Schriftstellerpaars Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner. Dies nehmen die Stiftung Brückner-Kühner und die Universität Kassel – die dieses Jahr 50 Jahre alt wird – zum Anlass, sich in einem zweitägigen Kolloquium dem Thema literarischer Zusammenarbeit zu widmen. Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner haben sich nicht nur in der jeweils eigenen Schreibarbeit durch Diskussion, Kommentar und Kritik unterstützt, sie bilden auch ein literarisches Tandem und schrieben gemeinsame Texte. Literarische Kooperationen wie diese lenken den Blick auf den Begriff von Literatur und Autorschaft selbst. Dem idealisierten Begriff des singulären Autors als Schöpfergenie, wie er sich seit dem 18. Jahrhundert in unseren Köpfen festgesetzt hat, widerspricht die Vorstellung gemeinsamen Schreibens eklatant. Umso interessanter ist es, den Blick auf die konkrete Realität kreativer Teams in der Geschichte der deutschsprachigen Literatur zu lenken und danach zu fragen, wie sie arbeiten, welche Strategien und Techniken sie anwenden und welcher produktive Mehrwert, vielleicht aber auch welche Störung oder Einschränkung sich bei literarischen Gemeinschaftsproduktionen ergeben kann. Bei dem Kolloquium „Eins und doppelt“ werden Schlaglichter auf literarische Kooperationen vom Hochmittelalter über Klassik und Romantik bis heute geworfen. Tagungsband: „Eins und doppelt“. Literarische Kooperationen vom Minnesang bis zur Künstlichen Intelligenz. Hrsg. mit Friedrich Block. Kassel: kup 2025, https://doi.org/10.17170/kobra-2024082910744.
2020–2023 Gotthelf Wilhelm Christoph Starke – Entdeckung eines großen Unbekannten Gotthelf Wilhelm Christoph Starke (1762–1830), Dichter und Theologe aus Anhalt-Bernburg, galt zu seiner Zeit als Klassiker. Seine Gemählde aus dem häuslichen Leben und Erzählungen machten ihn weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinweg bekannt. Dennoch geriet er als Spätaufklärer und Moralist bald in den Schatten der Literaturgeschichte – in deren Lichtkegel andere, wenige Auserwählte standen und stehen. Als Zeitgenosse Goethes, Schillers und Kants stellt Starke ein bemerkenswertes Phänomen vergessener Größe dar. Ihn wiederzuentdecken ist das vorliegende Projekt angetreten, aus dem zwei Buchpublikationen (ersch. Juli 2023) entstanden sind: eine über 500 Seiten umfassende Monografie – Gotthelf Wilhelm Christoph Starke (1762–1830). Entdeckung eines großen Unbekannten – sowie eine Anthologie mit Starkes Werken (Gotthelf Wilhelm Christoph Starke: Gemälde und andere Texte). Mehrere Lesungen, Vorträge und Folgepublikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften machten das Projekt bekannter. Gefördert wurden die Buchpublikationen von der Stiftung Evangelisches Anhalt, der Evangelischen Landeskirche Anhalts sowie dem Familienverband von Kügelgen.
2020ff. Literatur aus Kassel für Kassel: Online-Lesungen Zum 13.10.2020 ging ein von mir initiiertes (‚Corona‘-)Lesungsprojekt online: Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Kassel. Über 40 Lesungen bzw. 13 Stunden Lesezeit, präsentiert von 24 Leser:innen, entfalten das breite Spektrum der Kasseler Literatur aus dem 16. bis 21. Jahrhundert: Erzählungen, autobiografische Texte, Gedichte, Briefe, Traktate, Essays, Romanausschnitte, Reiseberichte etc. Die Lesungen sind kostenlos per Streaming und Download zugänglich.
2019ff. Die Kasseler Liste – A Database of Censored Books (mit Prof. Dr. Florian Gassner) Die Kasseler Liste ist ein interaktives Online-Tool, das auf der Basis der Projektarbeit für das Kunstwerk „The Parthenon of Books“ von Marta Minujín (documenta 14) entstanden ist. Die weltweit größte Datenbank verbotener Bücher umfasst inzwischen fast 200 000 Items; sie integriert verschiedene historische Indizes, Forschungsdatenbanken zur Zensur sowie immer neue Ergebnisse von Einzelrecherchen. Diese werden kontinuierlich und zu einem großen Teil in Seminaren mit Studierenden durchgeführt. Buchverbote existieren auf allen Kontinenten, je nach politischem System und Gesellschaftsform in unterschiedlichem Maß und auf unterschiedlichen Ebenen. Die „Kasseler Liste“, die als das weltweit größte Verzeichnis verbotener Bücher gilt, macht den ersten, experimentellen Versuch, Zensur global zu kartieren und damit die Zensurforschung auf eine neue Basis zu stellen.
2018 Lesungsreihe zum Kleinen Kasseler Literatur-Lexikon Projekt mit Studierenden Kassel, Mai/Juni 2018, Dienstags, 18.15 Uhr: Da ist Musik drin! Musikschriftsteller im KKLL (Spohr Museum, 22.5.2018) „Schweifender Blick über die Lagermauer“. Verfolgte Autorinnen und Autoren im KKLL (Gedenkstätte Breitenau, 29.5.2018) Am Anfang war das Wort. Theologinnen und Theologen im KKLL (Evangelisches Forum am Lutherplatz, 5.6.2018) „Wegbereiter der deutschen Frau“… Schriftstellerinnen im KKLL (Archiv der deutschen Frauenbewegung, 12.6.2018) Es war einmal … Dichterinnen und Dichter der Grimm-Zeit im KKLL (GrimmWelt, 19.6.2018) „Staub der Fulle“. Gegenwartsautorinnen und -autoren im KKLL (Stadtbibliothek, 26.6.2018)
2016/17 documenta-Projekt „The Parthenon of Books“ von Marta Minujín (Leitung der kooperierenden studentischen Arbeitsgruppe, gemeinsam mit Prof. Dr. Florian Gassner) Bei der documenta 14 entstand auf dem Friedrichsplatz in Kassel ein riesiger Tempel verbotener Bücher entstehen: ein Kunstwerk der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, an dem jede_r durch Buchspenden mitbauen konnte. Die von Florian Gassner, mir und einer Projektgruppe geleistete wissenschaftliche Begleitung des Projekts bestand u.a. in der wissenschaftlich gestützten Erstellung von Listen verbotener Bücher sowie der Validierung und Vakumierung der eingesandten Bücher.
2015–2017 Kleines Kasseler Literatur-Lexikon. Autorinnen und Autoren. Ein Projekt zur Erschließung und Bewahrung hessischer Literatur-, Kultur- und Geistes-geschichte (Projektleitung) Das Kasseler Literatur-Lexikon präsentiert Kassel als Literaturstadt bzw. zeigt literarische Leistungen Kassels der vergangenen Jahrhunderte. Es umfasst über 450 Personenartikel weltberühmter und unbekannter Autor_innen. Literatur und Kultur einer Region zeugen von ihrer Interaktionsdichte und -vielfalt. Die Stadt Kassel erweist sich als Ausgangs- oder Zielpunkt, Zwischenstation oder Höhepunkt vielfältiger literarischer und kultureller Manifestationen vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Entscheidend für Kassels Bedeutung als Literaturstadt ist dabei die kontinuierlich zu beobachtende intensive Verflechtung lokal-regionaler mit überregional-allgemeinen Dimensionen der Literatur-, Kultur- und Geistesgeschichte. Ca. 100 Beiträger:innen aus verschiedenen akademischen Disziplinen (Philologien, Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theologie, Jura, Philosophie, Biologie, Soziologie, Bildungsgeschichte) sind beteiligt, außerdem weitere Experten aus Museum, Stadt, Kirche, Schulen, Akademien, Archiven, Literaturbüro etc. Das Lexikon ist im Januar 2018 beim Wehrhahn Verlag, Hannover, erschienen. Das Projekt wurde durch die Stadt Kassel, die Universitätsgesellschaft Kassel, den Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde 1834 e.V., Zweigverein Kassel, und den Lions Club Kassel gefördert. Presse: Meldung Uni Kassel, epd, 17.1.2018, HNA, 5.2.2018, Kulturcafé hr2, 26.2.2018 , Buchgeflüster Offener Kanal Kassel, 5.6.2018
2014-2024 Italien-Netzwerk (Mitbegründerin 2014, 2016-18 und 2021-2023 Sprecherinnenteam des Netzwerks) http://www.uni-kassel.de/themen/netzwerk-italien/startseite.html 2014 gründete sich an der Universität Kassel ein Netzwerk von Forschenden und Lehrenden aus den Disziplinen Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte, germanistische und romanistische Literaturwissenschaft. Nachdem die Kasseler Italianistik vor mehr als fünf Jahren ausgelaufen war, vermissten nicht nur Romanist:innen die wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprache, Kultur, Philosophie, Kunst und Literatur des südlichen Nachbarlandes. Zur Aufgabe des Netzwerks gehören die Konzeption und Ausrichtung eines jährlichen Italientages sowie die Einführung und Organisation eines Zertifikats für interdisziplinäre Italienkompetenz: Das Italicum startete zum WiSe 2016/17 sehr erfolgreich und wird inzwischen vom italienischen Außenministerium gefördert.
2011–2015 Literatur in Kassel – mehr als nur GRIMMig. Lehrprojekt (Projektleitung) Zum Jubiläum 1100 Jahre Kassel‘ (2013) stellte das Projekt Kasseler Schriftstellerinnen und Schriftsteller des 18.-20. Jahrhunderts vor: Es ging um 45 literarische Wieder- und Neuentdeckungen. Der Beitrag der Stadt Kassel zur literarischen Kunst und Kultur wurde in ihr selbst sichtbar und hörbar gemacht. Sichtbar, indem Literatur in die Stadt „eingeschrieben“ wurde: Jeweils ein Auszug aus jedem literarischen Werk ist auf 45 Schildern in der ganzen Stadt (bis heute) zu lesen. Hörbar, indem literarische Stimmen in der Stadt erklungen sind – bei einem dreistündigen Lesemarathon (Juni 2013). Am 25.6.2015 wurden die letzten beiden Schilder gegenüber der Kasseler GRIMMWELT eingeweiht. Regelmäßig werden literarische Spaziergänge daran entlang durchgeführt, eine Broschüre dazu ist jetzt auch online verfügbar. Das Projekt wurde begleitet und gefördert von der Stadt Kassel, der Universitätsgesellschaft Kassel, der Sparkasse Kassel und dem Stadtteilbüro Wesertor.
2011–2016 Dynamiken von Raum und Geschlecht: entdecken – erobern – erfinden – erzählen. DFG-Graduiertenkolleg (Projektleitung) Im Mittelpunkt des Graduiertenkollegs stand die interdisziplinäre Erforschung der wechselseitigen Prägung von Raum und Geschlecht. Damit griff das Kolleg zwei der wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte auf und stellte sie in einen Zusammenhang: Die Veränderung der Geschlechterordnung zum einen und die Veränderung der Raumordnung, die gerne unter dem Schlagwort Globalisierung betrachtet wird, zum anderen. Ausgangspunkt war der Befund, dass viele neuere Forschungen zum Raum die Kategorie Geschlecht desto weniger berücksichtigen, je globaler die Ebene der Betrachtung ist. Darum verfolgte das interdisziplinäre Graduiertenkolleg das Ziel, die wechselseitigen Bezüge von Raum- und Geschlechterkonstitutionen in aktuellen und historischen Gesellschaften inner- und außerhalb Europas aus soziologischer, ethnologischer, historischer und Literaturwissenschaftlicher Perspektive zu untersuchen. Beteiligt waren Anglistik/Kanadistik, Arabistik/Islamwissenschaft, Ethnologie, Ethik und Geschichte der Medizin, Geschichte, Germanistik, Soziologie und Theologie.
2009–2012 Welt und Wissen auf der Bühne. Die Theatrum-Literatur der Frühen Neuzeit. DFG-Forschungsprojekt (Projektleitung) Das (Welt-)Theater ist als Schlüsselmetapher der Frühen Neuzeit geläufig. Doch auch die Bücher der Epoche wurden häufig als Theater betrachtet. Diese textuellen Bühnen bildeten ein gewichtiges publizistisches Phänomen: Zwischen 1500 und 1800 erschienen in Europa und mit dem Schwerpunkt im Alten Reich hunderte Werke, auf deren Titel das metaphorische Theatrum oder volkssprachliche Äquivalente prangten (Schaubühne, Schauplatz etc.). Ein Großteil der Buchtheater verschrieb sich der Sammlung und Repräsentation von Wissen; es bildet damit ein Segment der weiten enzyklopädischen Literatur der Frühen Neuzeit. Digitalisierungsvorhaben im Internet stellen meist nur das Textmaterial unkommentiert zur Verfügung. Die dauerhafte Konservierung der kulturellen Überlieferung im Rahmen von Massendigitalisierungsprojekten zeigt sich von der wissenschaftlichen Erschließung weitgehend entkoppelt. Unser Projekt ging durch die Kooperation von Bibliothek und Universität darüber hinaus. Es koppelte klassische Elemente eines Repertoriums – Verzeichnung und kommentierte Beschreibung eines Textkorpus – mit einer umfassenden Datenbank. Durch die Vernetzung von digitalisiertem Quellenmaterial und Forschungsergebnissen wird der digitale Mehrwert des Hypertextes genutzt und sichtbar gemacht.
Projekte
Prof. Dr. Nikola Roßbach
28.10.2023–4.2.2024
Ausstellung „Verbotene Bücher“ des Literaturhauses München (wissenschaftliche Begleitung gemeinsam mit Florian Gassner)
Ob autokratische Herrscher, totalitäre Regime oder verbohrte Bürokraten, ob besorgte Eltern, strenge Richter oder Hüter des wahren Glaubens – seit es Bücher gibt, wird erbittert um den Gegensatz zwischen Kunstfreiheit und strikten moralischen, politischen oder religiösen Vorstellungen gerungen: Eine Ausstellung mit Geschichten aus und über berühmte Bücher, die verboten wurden.
Bücherverbote bedeuten Macht und Kontrolle. Kontrolle über politisch Unliebsame, über Frauen, über sozial Benachteiligte, über Menschen, die als nicht dazugehörig angesehen werden. Menschen von Bildung fernzuhalten, heißt, sie daran zu hindern, frei zu denken und sich selbst zu ermächtigen. Zensur gab es seit Erfindung des Buchdrucks und erreicht in der Gegenwart in vielen Regionen der Welt neue Dimensionen. Die Freiheit des Wortes muss auch in Demokratien geschützt und verteidigt werden, deren Wert immer neu beleuchtet werden.
Die aktuelle Debatte zeigt, wie existentiell die Frage empfunden wird. Vom Index librorum prohibitorum der römischen Inquisition über die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten bis zum Mordanschlag auf Salman Rushdie, Autor von „Die satanischen Verse“, den er nur knapp überlebt hat: Die Ausstellung lotet den Unterschied aus zwischen Verbot und Sensibilisierung in sich verändernden Gesellschaften.
Okt. 2023-Mai 2024
„Die literarische Aufklärung und ihre Medien“: Ein bilinguales digital gestütztes Lehrangebot für Germanistikstudierende in der Ukraine
Das Lehrangebot im SS 2024 zielt auf eine stärkere Vernetzung mit der ukrainischen Germanistik und ergänzt das durch die aktuelle Kriegssituation eingeschränkte Lehrangebot. Es ermöglicht Studierenden vor Ort, studienbiografische Verzögerungen und Brüche zu kompensieren. Ziel ist der Erwerb zentraler fachwissenschaftlicher Kompetenzen in Literatur- und Medienwissenschaft, insbesondere in Begriffs- und Theoriebildung, Literatur als Kultur- und Medienwissenschaft, Aufklärungsforschung sowie Geschlechterforschung/Gender Studies.
Die digital gestützte zweisprachige Doppelveranstaltung (deutschsprachige Vorlesung, ukrainischsprachiges Seminar) bietet einen literatur- und mediengeschichtlichen Überblick über die Wissensvermittlung im 18. Jahrhundert. Im Fokus steht der aufklärerische Wandel von gelehrter Exklusivität zu popularisierten Wissensformen für unterschiedliche Zielgruppen (u.a. Frauen, Kinder). Behandelt werden zentrale Medien wie Zeitschriften, Lehrdichtungen, Enzyklopädien und Lexika, einschließlich frauenspezifischer Formate. Die Vorlesung vermittelt die übergreifenden Strukturen und Denkmodelle der Epoche, das Seminar vertieft die Inhalte anhand ausgewählter Textquellen.
(Förderung durch HMWK-Brückenprogramm Hessen–Ukraine 2023)
13.-15.7.2023
Tagung „der markt hätte es gerne, wenn wir nur ‚exilautoren‘ wären. Multidimensionale Konstruktionsprozesse von Autorschaft im aktuellen Kontext von Exil, Migration und Flucht“ (Leitung gemeinsam mit Christine-Marie Ansari, Stefan Greif, Turgay Kurultay, Ev. Tagungsstätte Hofgeismar)
Die Tagung untersucht multidimensionale Konstruktionsprozesse von Autorschaft in der aktuellen Exilliteratur. Im Fokus steht ein breites Spektrum der „neuen deutschen Literatur“ im Kontext von Migration und Flucht. Berücksichtigt werden Diversität der Autor:innen (Herkunft, Geschlecht, soziale und kulturelle Identität) sowie Vielfalt der Texte (Genres, Medien, Sprachstile, Themen).
Im Zentrum steht deutschsprachige bzw. ins Deutsche übersetzte Literatur seit 2015 von im Exil lebenden Schriftsteller:innen. Begriffe wie Exilautor:in oder Migrations- und Fluchtliteratur werden kritisch hinterfragt – als Selbst- und Fremdzuschreibungen, Labels oder Klischees. Autorschaft erweist sich dabei als Konstruktion verschiedener Akteur:innen aus politischen, gesellschaftlichen, ästhetischen und ökonomischen Interessen. Zugleich wird gefragt, ob Exil, Migration und Flucht zu einem neuen globalen Diskurs und veränderten Identitätsverständnis beitragen. Eröffnet die deutsche Literatur einen Raum, in dem Begriffe wie Heimat und Fremde neu gedacht und hybride, vernetzte Modelle gestärkt werden? Trotz aller Betonung kreativer Potenziale bleibt Exil jedoch meist ein erzwungener, fremdbestimmter Zustand.
Die Tagung vereint Wissenschaft, Kultur und Kunst, um diese Entwicklungen zu diskutieren. Der Literatur kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Sie schärft den Blick für Identität und Diversität, erweitert Perspektiven auf eine globale Zukunft und entwirft Konzepte einer postmigrantischen Gesellschaft.
2022–2024
Zensur. Handbuch für Wissenschaft und Studium
Zensur ist hochaktuell. Sie scheint gegenwärtig – im Kontext globaler Krisen, erodierender Demokratien und erstarkender Autokratien und Diktaturen – sogar noch an Aktualität zu gewinnen. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme zum Phänomen und seiner Erforschung ist dringend geboten. Das geplante Handbuch, das von mir konzipiert und herausgegeben wurde, erschien 2024 beim Nomos Verlag. Es präsentiert erstmals den Stand der Zensurforschung aus einer interdisziplinären, transhistorischen und globalen Perspektive. Nach begrifflich-theoretischen Grundlagen werden zentrale Akteure und Handlungsfelder der Zensur behandelt: Politik, Religion, Wirtschaft, Kunst, Medien und Recht. Es folgt ein Überblick über die Zensurgeschichte von der Antike bis zum 21. Jahrhundert. In Beiträgen zu verschiedenen Weltregionen (Afrika, Asien, Australien, Nord-, Mittel- und Südamerika, West- und Osteuropa) werden die globalen Dimensionen von Zensur entfaltet. Abschließend geht es um aktuelle Kontroversen und Polemiken der Zensur, um Zensurnarrative und -debatten (z.B. über ‚Cancel Culture‘ und ‚Identitätspolitik‘).
11.–14.10.2021
Tagung „Wiederholung und Variation. Repetitive Muster in Gesprächen der Frühen Neuzeit“ (Leitung gemeinsam mit Angela Schrott, Ev. Tagungsstätte Hofgeismar)
Die Wiederholung ist ein basales kulturelles Tun, das in allen Bereichen des menschlichen Lebens und Handelns vorkommt, so auch in der Kommunikation. Die interdisziplinäre Tagung fragt nach der Kreativität repetitiver Gesprächsmuster in der Frühen Neuzeit. Expert:innen aus Geschichts-, Sprach- und Literaturwissenschaft untersuchen an verschiedenen Textzeugnissen aus Mittelalter und Früher Neuzeit in deutscher, spanischer, französischer und englischer Sprache und Literatur die Spannung zwischen der scheinbaren Identität der Wiederholung und ihrem Potenzial, kreativ Differenzen zu erzeugen. Erkundet werden dabei die fundamentalen sprachlichen und kulturellen Funktionszusammenhänge dieses Wechselverhältnisses von Wiederholung und Variation: Sind repetitive Gesprächsmuster gemeinschaftsstiftend oder schärfen sie Gegensätze? Ist die Wiederholung ein orientierendes Kompositionsprinzip oder wirkt sie qua Variation destabilisierend auf Redekonstellationen? Steht sie für Kontinuität und Festigung sprachlicher Ausdrucksformen oder für die Möglichkeit kreativer Erneuerung?
Tagungsband: Wiederholung und Variation im Gespräch des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Hrsg. mit Angela Schrott. Berlin, New York: de Gruyter 2023.
10.-11.9.2021
Tagung „Eins und doppelt: literarische Kooperationen. Kolloquium zu Ehren des 100. Geburtstages von Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner – und im Rahmen des 50. Geburtstages der Universität Kassel“ (Leitung gemeinsam mit Friedrich Block, Stiftung Brückner-Kühner, Kassel)
2021 feiert Kassel den 100. Geburtstag des Schriftstellerpaars Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner. Dies nehmen die Stiftung Brückner-Kühner und die Universität Kassel – die dieses Jahr 50 Jahre alt wird – zum Anlass, sich in einem zweitägigen Kolloquium dem Thema literarischer Zusammenarbeit zu widmen. Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner haben sich nicht nur in der jeweils eigenen Schreibarbeit durch Diskussion, Kommentar und Kritik unterstützt, sie bilden auch ein literarisches Tandem und schrieben gemeinsame Texte.
Literarische Kooperationen wie diese lenken den Blick auf den Begriff von Literatur und Autorschaft selbst. Dem idealisierten Begriff des singulären Autors als Schöpfergenie, wie er sich seit dem 18. Jahrhundert in unseren Köpfen festgesetzt hat, widerspricht die Vorstellung gemeinsamen Schreibens eklatant. Umso interessanter ist es, den Blick auf die konkrete Realität kreativer Teams in der Geschichte der deutschsprachigen Literatur zu lenken und danach zu fragen, wie sie arbeiten, welche Strategien und Techniken sie anwenden und welcher produktive Mehrwert, vielleicht aber auch welche Störung oder Einschränkung sich bei literarischen Gemeinschaftsproduktionen ergeben kann. Bei dem Kolloquium „Eins und doppelt“ werden Schlaglichter auf literarische Kooperationen vom Hochmittelalter über Klassik und Romantik bis heute geworfen.
Tagungsband: „Eins und doppelt“. Literarische Kooperationen vom Minnesang bis zur Künstlichen Intelligenz. Hrsg. mit Friedrich Block. Kassel: kup 2025, https://doi.org/10.17170/kobra-2024082910744.
2020–2023
Gotthelf Wilhelm Christoph Starke – Entdeckung eines großen Unbekannten
Gotthelf Wilhelm Christoph Starke (1762–1830), Dichter und Theologe aus Anhalt-Bernburg, galt zu seiner Zeit als Klassiker. Seine Gemählde aus dem häuslichen Leben und Erzählungen machten ihn weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinweg bekannt. Dennoch geriet er als Spätaufklärer und Moralist bald in den Schatten der Literaturgeschichte – in deren Lichtkegel andere, wenige Auserwählte standen und stehen. Als Zeitgenosse Goethes, Schillers und Kants stellt Starke ein bemerkenswertes Phänomen vergessener Größe dar. Ihn wiederzuentdecken ist das vorliegende Projekt angetreten, aus dem zwei Buchpublikationen (ersch. Juli 2023) entstanden sind: eine über 500 Seiten umfassende Monografie – Gotthelf Wilhelm Christoph Starke (1762–1830). Entdeckung eines großen Unbekannten – sowie eine Anthologie mit Starkes Werken (Gotthelf Wilhelm Christoph Starke: Gemälde und andere Texte). Mehrere Lesungen, Vorträge und Folgepublikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften machten das Projekt bekannter. Gefördert wurden die Buchpublikationen von der Stiftung Evangelisches Anhalt, der Evangelischen Landeskirche Anhalts sowie dem Familienverband von Kügelgen.
2020ff.
Literatur aus Kassel für Kassel: Online-Lesungen
Zum 13.10.2020 ging ein von mir initiiertes (‚Corona‘-)Lesungsprojekt online: Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Kassel. Über 40 Lesungen bzw. 13 Stunden Lesezeit, präsentiert von 24 Leser:innen, entfalten das breite Spektrum der Kasseler Literatur aus dem 16. bis 21. Jahrhundert: Erzählungen, autobiografische Texte, Gedichte, Briefe, Traktate, Essays, Romanausschnitte, Reiseberichte etc. Die Lesungen sind kostenlos per Streaming und Download zugänglich.
2019ff.
Die Kasseler Liste – A Database of Censored Books
(mit Prof. Dr. Florian Gassner)
Die Kasseler Liste ist ein interaktives Online-Tool, das auf der Basis der Projektarbeit für das Kunstwerk „The Parthenon of Books“ von Marta Minujín (documenta 14) entstanden ist. Die weltweit größte Datenbank verbotener Bücher umfasst inzwischen fast 200 000 Items; sie integriert verschiedene historische Indizes, Forschungsdatenbanken zur Zensur sowie immer neue Ergebnisse von Einzelrecherchen. Diese werden kontinuierlich und zu einem großen Teil in Seminaren mit Studierenden durchgeführt.
Buchverbote existieren auf allen Kontinenten, je nach politischem System und Gesellschaftsform in unterschiedlichem Maß und auf unterschiedlichen Ebenen. Die „Kasseler Liste“, die als das weltweit größte Verzeichnis verbotener Bücher gilt, macht den ersten, experimentellen Versuch, Zensur global zu kartieren und damit die Zensurforschung auf eine neue Basis zu stellen.
2018
Lesungsreihe zum Kleinen Kasseler Literatur-Lexikon
Projekt mit Studierenden
Kassel, Mai/Juni 2018, Dienstags, 18.15 Uhr:
Da ist Musik drin! Musikschriftsteller im KKLL (Spohr Museum, 22.5.2018)
„Schweifender Blick über die Lagermauer“. Verfolgte Autorinnen und Autoren im KKLL (Gedenkstätte Breitenau, 29.5.2018)
Am Anfang war das Wort. Theologinnen und Theologen im KKLL (Evangelisches Forum am Lutherplatz, 5.6.2018)
„Wegbereiter der deutschen Frau“… Schriftstellerinnen im KKLL (Archiv der deutschen Frauenbewegung, 12.6.2018)
Es war einmal … Dichterinnen und Dichter der Grimm-Zeit im KKLL (GrimmWelt, 19.6.2018)
„Staub der Fulle“. Gegenwartsautorinnen und -autoren im KKLL (Stadtbibliothek, 26.6.2018)
2016/17
documenta-Projekt „The Parthenon of Books“ von Marta Minujín (Leitung der kooperierenden studentischen Arbeitsgruppe, gemeinsam mit Prof. Dr. Florian Gassner)
Bei der documenta 14 entstand auf dem Friedrichsplatz in Kassel ein riesiger Tempel verbotener Bücher entstehen: ein Kunstwerk der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, an dem jede_r durch Buchspenden mitbauen konnte. Die von Florian Gassner, mir und einer Projektgruppe geleistete wissenschaftliche Begleitung des Projekts bestand u.a. in der wissenschaftlich gestützten Erstellung von Listen verbotener Bücher sowie der Validierung und Vakumierung der eingesandten Bücher.
2015–2017
Kleines Kasseler Literatur-Lexikon. Autorinnen und Autoren. Ein Projekt zur Erschließung und Bewahrung hessischer Literatur-, Kultur- und Geistes-geschichte (Projektleitung)
Das Kasseler Literatur-Lexikon präsentiert Kassel als Literaturstadt bzw. zeigt literarische Leistungen Kassels der vergangenen Jahrhunderte. Es umfasst über 450 Personenartikel weltberühmter und unbekannter Autor_innen. Literatur und Kultur einer Region zeugen von ihrer Interaktionsdichte und -vielfalt. Die Stadt Kassel erweist sich als Ausgangs- oder Zielpunkt, Zwischenstation oder Höhepunkt vielfältiger literarischer und kultureller Manifestationen vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Entscheidend für Kassels Bedeutung als Literaturstadt ist dabei die kontinuierlich zu beobachtende intensive Verflechtung lokal-regionaler mit überregional-allgemeinen Dimensionen der Literatur-, Kultur- und Geistesgeschichte. Ca. 100 Beiträger:innen aus verschiedenen akademischen Disziplinen (Philologien, Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theologie, Jura, Philosophie, Biologie, Soziologie, Bildungsgeschichte) sind beteiligt, außerdem weitere Experten aus Museum, Stadt, Kirche, Schulen, Akademien, Archiven, Literaturbüro etc. Das Lexikon ist im Januar 2018 beim Wehrhahn Verlag, Hannover, erschienen.
Das Projekt wurde durch die Stadt Kassel, die Universitätsgesellschaft Kassel, den Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde 1834 e.V., Zweigverein Kassel, und den Lions Club Kassel gefördert.
Presse: Meldung Uni Kassel, epd, 17.1.2018, HNA, 5.2.2018, Kulturcafé hr2, 26.2.2018 , Buchgeflüster Offener Kanal Kassel, 5.6.2018
2014-2024
Italien-Netzwerk (Mitbegründerin 2014, 2016-18 und 2021-2023 Sprecherinnenteam des Netzwerks)
http://www.uni-kassel.de/themen/netzwerk-italien/startseite.html
2014 gründete sich an der Universität Kassel ein Netzwerk von Forschenden und Lehrenden aus den Disziplinen Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte, germanistische und romanistische Literaturwissenschaft. Nachdem die Kasseler Italianistik vor mehr als fünf Jahren ausgelaufen war, vermissten nicht nur Romanist:innen die wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprache, Kultur, Philosophie, Kunst und Literatur des südlichen Nachbarlandes.
Zur Aufgabe des Netzwerks gehören die Konzeption und Ausrichtung eines jährlichen Italientages sowie die Einführung und Organisation eines Zertifikats für interdisziplinäre Italienkompetenz: Das Italicum startete zum WiSe 2016/17 sehr erfolgreich und wird inzwischen vom italienischen Außenministerium gefördert.
2011–2015
Literatur in Kassel – mehr als nur GRIMMig. Lehrprojekt (Projektleitung)
Zum Jubiläum 1100 Jahre Kassel‘ (2013) stellte das Projekt Kasseler Schriftstellerinnen und Schriftsteller des 18.-20. Jahrhunderts vor: Es ging um 45 literarische Wieder- und Neuentdeckungen. Der Beitrag der Stadt Kassel zur literarischen Kunst und Kultur wurde in ihr selbst sichtbar und hörbar gemacht. Sichtbar, indem Literatur in die Stadt „eingeschrieben“ wurde: Jeweils ein Auszug aus jedem literarischen Werk ist auf 45 Schildern in der ganzen Stadt (bis heute) zu lesen. Hörbar, indem literarische Stimmen in der Stadt erklungen sind – bei einem dreistündigen Lesemarathon (Juni 2013). Am 25.6.2015 wurden die letzten beiden Schilder gegenüber der Kasseler GRIMMWELT eingeweiht. Regelmäßig werden literarische Spaziergänge daran entlang durchgeführt, eine Broschüre dazu ist jetzt auch online verfügbar.
Das Projekt wurde begleitet und gefördert von der Stadt Kassel, der Universitätsgesellschaft Kassel, der Sparkasse Kassel und dem Stadtteilbüro Wesertor.
2011–2016
Dynamiken von Raum und Geschlecht: entdecken – erobern – erfinden – erzählen. DFG-Graduiertenkolleg (Projektleitung)
Im Mittelpunkt des Graduiertenkollegs stand die interdisziplinäre Erforschung der wechselseitigen Prägung von Raum und Geschlecht. Damit griff das Kolleg zwei der wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte auf und stellte sie in einen Zusammenhang: Die Veränderung der Geschlechterordnung zum einen und die Veränderung der Raumordnung, die gerne unter dem Schlagwort Globalisierung betrachtet wird, zum anderen. Ausgangspunkt war der Befund, dass viele neuere Forschungen zum Raum die Kategorie Geschlecht desto weniger berücksichtigen, je globaler die Ebene der Betrachtung ist. Darum verfolgte das interdisziplinäre Graduiertenkolleg das Ziel, die wechselseitigen Bezüge von Raum- und Geschlechterkonstitutionen in aktuellen und historischen Gesellschaften inner- und außerhalb Europas aus soziologischer, ethnologischer, historischer und Literaturwissenschaftlicher Perspektive zu untersuchen. Beteiligt waren Anglistik/Kanadistik, Arabistik/Islamwissenschaft, Ethnologie, Ethik und Geschichte der Medizin, Geschichte, Germanistik, Soziologie und Theologie.
2009–2012
Welt und Wissen auf der Bühne. Die Theatrum-Literatur der Frühen Neuzeit. DFG-Forschungsprojekt (Projektleitung)
Das (Welt-)Theater ist als Schlüsselmetapher der Frühen Neuzeit geläufig. Doch auch die Bücher der Epoche wurden häufig als Theater betrachtet. Diese textuellen Bühnen bildeten ein gewichtiges publizistisches Phänomen: Zwischen 1500 und 1800 erschienen in Europa und mit dem Schwerpunkt im Alten Reich hunderte Werke, auf deren Titel das metaphorische Theatrum oder volkssprachliche Äquivalente prangten (Schaubühne, Schauplatz etc.). Ein Großteil der Buchtheater verschrieb sich der Sammlung und Repräsentation von Wissen; es bildet damit ein Segment der weiten enzyklopädischen Literatur der Frühen Neuzeit.
Digitalisierungsvorhaben im Internet stellen meist nur das Textmaterial unkommentiert zur Verfügung. Die dauerhafte Konservierung der kulturellen Überlieferung im Rahmen von Massendigitalisierungsprojekten zeigt sich von der wissenschaftlichen Erschließung weitgehend entkoppelt. Unser Projekt ging durch die Kooperation von Bibliothek und Universität darüber hinaus. Es koppelte klassische Elemente eines Repertoriums – Verzeichnung und kommentierte Beschreibung eines Textkorpus – mit einer umfassenden Datenbank. Durch die Vernetzung von digitalisiertem Quellenmaterial und Forschungsergebnissen wird der digitale Mehrwert des Hypertextes genutzt und sichtbar gemacht.